Geschichte


Mein erstes Arbeitsmittel war die Fotografie. Neben konventioneller Fotografie lotete ich, inspiriert durch die zeitgenössische klassische Musik, die Grenzen der Fotografie aus: Unschärfe, Verwackelung, eingefrorene Bewegung, reines Licht... Ich wollte damit "neue Bilder komponieren".

 

Die intesive Beschäftigung mit Portraits und Selbstportraits führte mich dann zur visuellen Wahrnehmung und der Erkenntnis:

 

Wer die Augen öffnet, sieht immer auch sich selbst - aber immer nur teilweise.

Wir können uns nur in der Welt ergänzen.

 

Ähnlich wie man Regentropfen auf der Fensterscheibe nicht sieht, wenn man auf die Straße blickt, wird die Selbst-Wahrnehmung ausgeblendet - auch in der tradierten Ästhetik und Kunstgeschichte.

Die dauerhafte visuelle Wahrnehmung des eigenen Körpers bewusst zu machen, ist ein sehr direktes und unmittelbares Selbstportrait. Es ist zugleich eine Grenzüberschreitung vom Ich in die Welt. Wo hört unser Körper auf, wo fängt die Welt an?

 

Wie viel sehen wir wirklich von uns, wenn wir die Augen öffnen, ohne uns im Spiegel zu betrachten?

 

Die Miniaturisierung und Digitalisierung der Fotografie macht es leicht, Arme und Beine von sich zu fotografieren. Aber kein Mensch guckt starr, einäugig gerade aus und noch dazu viereckig!

Wir bewegen uns, blicken mal mehr durch das linke, mal mehr durch das rechte Auge, blinzeln, schließen die Lider zwischendurch... ganz zu schweigen von der visuellen Eigen-Wahrnehmung der Nase, der Wimpern, der Brille, der Haare...

Die Beschäftigung damit führte mich also an ganz andere Grenzen der Fotografie und hin zur Malerei, um diese Phänomene weiter zu erforschen.

Zugleich begriff ich, wann ich welches Medium (Fotografie, Malerei, Video...) wirklich brauche.

 

Es brachte mich auch zu neuen Formaten: Der einäugige Blick als amorphe Form, einseitig begrenzt durch Nase, Stirn, Wange..., der zweiäugige Blick als eine Art Oval mit seinen Transparenzen und Doppelbildern in der Nähe.