Quarantäne am Oberrhein

entstanden auf dem Symposium "UN-FASSBARE ZEIT" 4. 7. - 12. 7. 2020 auf dem Parkfriedhof Leipzig Plagwitz

Im März hatte ich Aisaku (88 J.) zurück nach Breisach gefahren. Nichts ahnend fuhren wir ins Elsass einkaufen, was von ihm aus 10 Minuten bis zum nächsten Supermarkt sind. Ich ging sogar zum Frisör und wunderte mich, dass ich die einzige Kundin war. Tage später begriffen wir, in welche Gefahr wir uns gebracht hatten: Wir mussten 14 Tage in Quarantäne. Es kam der Lockdown, die Grenze nach Frankreich wurde geschlossen...

Ich war nun eingesperrt, ohne Arbeitsmittel. Wir mussten uns die Einkäufe von Helfern vor die Tür stellen lassen...

Das einzige was erlaubt war, waren einsame Spaziergänge in der Natur auf der deutschen Rheinseite. Das einzige "Werkzeug", das mir zur Verfügung stand, war mein Smartphone. Damit machte ich unzählige Fotos und Videos. 

Ich war in einem Zustand aus Angst um mein Leben und meine Zukunft, Unruhe über das Eingesperrtsein, Wut über den Zustand von Europa, das seine inneren Grenzen schließt und sehr lange brauchte, um anderen europäischen Nachbarn beizustehen, Trauer und Verzweiflung wegen der Zukunft mit den vielen Toten, der nicht abwendbaren Wirtschaftkrise, Empörung über das Vergessen der Flüchtlinge in den Lagern, der Menschen in den weltweiten Krisengebieten...

Irgendwie ahnte ich und begriff langsam, welche Paradigmenwechsel diese Pandemie in allen Bereichen mit sich bringen würde...

Die langen Spaziergänge in der Natur wurden für mich zur Meditation, die mich wieder zur Ruhe brachten. Hier konnte ich mich konzentrieren auf kleine Steinchen, Moos, Blüten... Immer wieder saß ich am Rhein und blickte auf die Grenze, die ich nun nicht mehr überschreiten durfte.